7 Kreative aus Georgien, die Sie sich merken sollten

Eine Ausstellung zu einem Thema zu kuratieren, mit dem ich mich nicht auskenne, war eine ganz besondere Herausforderung für mich. Als Kuratorin für Mode, Körper und Performatives befasse ich mich natürlich mit eben diesen Themen, aber als ich den Auftrag bekam, für das Kulturprogramm des Ehrengastlandes Georgien im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2018 eine Ausstellung über dieses Land zu machen, wusste ich nicht einmal, wo genau Georgien liegt.

Vor 2,5 Jahren flog ich zum ersten Mal in das Land am Kaukasus und verliebte mich sofort in die sehr spezielle Mischung unterschiedlicher kultureller Einflüsse und natürlich in den großartigen Wein und das fantastische Essen. In Georgien heißt es, dass jeder Gast ein Geschenk Gottes ist. Das Fremde wird traditionell als Bereicherung erfahren. Tiflis lag an der Seidenstraße und hat eine lange Geschichte als zentraler Handelsknoten. Über Jahrhunderte kamen die Völker hier zusammen, feierten ihre religiösen Feste in den Kirchen, Synagogen und Moscheen, die bis heute in der Altstadt nebeneinander zu finden sind. Tiflis ist ein Beispiel dafür, wie ein Land sich der Herausforderung kultureller Vielfalt stellen kann. Das funktioniert nicht ohne Reibungen, ohne Konflikte, für die fragile Lösungen gefunden werden, die mitunter widersprüchlich scheinen mögen. Vielleicht liegt darin das Geheimnis des mystischen Charmes, im Aushalten von Widersprüchen, im Abschied von einer Vorstellung alles ordnender Normalität.

Am Morgen der dritten Nacht während meiner ersten Georgien-Reise liegt in meinem Hotelzimmer plötzlich ein Zettel neben meinem Bett. Darauf steht: “My heart goes with them to protect you. Love you. Lara”. Bis heute ist nicht klar, woher die Botschaft kommt, umso klarer, wohin sie führte. Als roter Faden spannt sich die Geschichte um die mysteriöse Lara durch den Ausstellungserarbeitungsprozess. Gespräche über sie mit den unterschiedlichsten Personen woben letztlich ein Geflecht, dessen vorläufiges Ende nun als Ausstellung im Frankfurter Museum Angewandte Kunst zu sehen ist. “Lara protects me” zeigt junge georgische Positionen aus Kunst, Design, Mode und Musik und damit auch eine Generation Kulturschaffender, die kurz nach Ende der Sowjetzeit aufwuchs oder geboren wurde und damit zum Symbol wird für ein Land in der Selbstfindung.

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[publiziert auf Vogue.de am 02. November 2018]